Ein Fall wie viele andere: Eine orthopädische Praxis beschreibt ihre Leistungen auf der Website – und die Abmahnung landet im Briefkasten. Das Schreiben erklärt, dass die Darstellung der Leistungen einen Behandlungserfolg versprächen. Damit sei ein hohes Bußgeld fällig… Fast jede zehnte Praxis-Website in Deutschland soll bereits abgemaht worden sein. Entsprechend hoch ist die Verunsicherung vieler Heilberufler, die sich eine neue Website leisten wollen. Wir decken häufige Mythen auf und sagen, was wirklich erlaubt ist:

Mythos 1: Der Kittel

Das Gerücht, dass sich Ärzte nicht im Kittel abbilden dürfen, hat seinen Ursprung im Text des Heilmittelwerbegesetzes. Tatsächlich war Werbung mit dem Arzt im Berufskittel bis zum Jahr 2012 untersagt. Mit der Überarbeitung des Gesetzes fiel der entsprechende Paragraf weg: Seitdem dürfen sich Ärzte im Kittel auf Ihrer Website zeigen.

Allgemein gilt: Die deutschen Gesetze regeln, wie Heilberufler sich auf ihrer Praxis-Website darstellen dürfen. Informationen zur Person sind erlaubt, dazu gehören der berufliche und persönliche Werdegang sowie die Zugehörigkeit zu berufsbezogenen Vereinigungen und Verbänden. Man darf außerdem sein Leistungsspektrum angeben und auf Sprachkenntnisse und Dialekte hinweisen.

Mythos 2: Patientenstimmen

Patientenstimmen sind durchaus möglich, allerdings sollten die Zitate die Person des Arztes nicht zu stark in den Vordergrund stellen.

Allgemein gilt: Dank-, Anerkennungs- und Empfehlungsschreiben Dritter dürfen laut Gesetz nicht in missbräuchlicher, abstoßender oder irreführender Weise erfolgen.

Mythos 3: Spektakuläre Erfolge

Vorsicht vor missbräuchlicher, abstoßender oder gar irreführender Werbung: Kann die Wiedergabe einer Krankengeschichte mit diesen Worten betitelt werden, ist sie verboten. Übrigens: Auch Vorher-Nachher-Fotos von plastisch-chirurgischen Eingriffen sind untersagt.

Allgemein gilt: Achten Sie auf die oben beschriebene Art und Weise der Darstellung, sind Angaben zu Behandlungen und Untersuchungen im Rahmen Ihres Fachgebietes jederzeit erlaubt. Sie dürfen also sachliche Informationen zu Krankheitsbildern, Untersuchungsmethoden oder Gesundheitsthemen in verständlicher Sprache geben. Bitte behalten Sie bei der Darstellung von Krankengeschichten stets die Schweigepflicht und Datenschutzregeln im Hinterkopf.

Mythos 4: Gutachten & Zeugnisse

Die Änderung des Heilmittelwerbegesetzes 2012 liberalisierte das Verbot von Werbung mit Gutachten und Zeugnissen. Sofern sie keinen empfehlenden Charakter haben, sind diese auf der Website erlaubt.

Mythos 5: Preisausschreiben

Tatsächlich sind Preisausschreiben und Verlosungen möglich – allerdings nur, sofern diese keine übermäßige Verwendung von Arzneimitteln begünstigen.

Mythos 7: Verlinkungen

Gute Nachricht: Dienen andere Websites dem Informationsinteresse Ihrer Patienten, sind Verlinkungen jederzeit erlaubt. Sie dürfen Ihre Praxis auch auf Google eintragen und dort sachliche Informationen geben.

Allgemein gilt: Vorsicht gilt allerdings bei Links zu gewerblichen Unternehmen! Diese gelten als strafbare Werbung.

Mythos 8: Populärwissenschaft

Hinweise auf populärwissenschaftliche Bücher und Veröffentlichungen dürfen auf die Homepage, wenn sie 1. der Aufklärung und Information der Öffentlichkeit dienen, 2. diese ein Interesse an Aufklärung und Information hat und 3. die Ärztin bzw. der Arzt dabei in den Hintergrund tritt.

Informationen über die aktuelle Gesetzeslage liefern diese beiden relevanten Gesetze:

Das HWG ist die erste Anlaufstelle beim Erstellen einer rechtskonformen Praxis-Website. Das Gesetz steckt den rechtlichen Rahmen für Werbung im deutschen Gesundheitssystem. In ihm sind Regeln für die Werbung für Arzneimittel, Medizinprodukte und andere Heilmittel bzw. Heilverfahren gefasst. Die letzte Aktualisierung erfuhr das Heilmittelwerbegesetz 2012. Zum Heilmittelwerbegesetz…

Das UWG gilt für alle Unternehmen und dient dem Schutz von Mitbewerbern und Verbrauchern, indem es nicht legitime geschäftliche Handlungen unterbindet. Das Gesetz deklariert bestimmte Formen des Wettbewerbs als unzulässig, wie die Nachahmung, aggressive Verkaufsmethoden und Irreführung. Geändert wurde das Gesetz zuletzt 2008. Zum Gesetz gegen unlauteren Wettbewerb…

Mit dieser Checkliste zum Download können Sie überprüfen, ob Ihre Praxis-Website den rechtlichen Vorgaben entspricht.

Disclaimer: Dieser Blogartikel ersetzt keine Rechtsberatung und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Autorin: Ronja Mößbauer
Brauchen Sie Unterstützung bei Ihrer Praxis-Website, schreiben Sie uns gerne an: info@urbach-pr.de